Aktionswochen

gegen

Antisemitismus

Bremen 2026

September

3

Geschichte Erinnern. Die Shoa in Comics
Eine Ausstellung mit Bahoe Books
Raum 404 · Nicolaistraße 34/36 · 28195 Bremen
 

Ausstellung
03.09.2026 – 03.10.2026

Auch an der Comicwelt zieht die Gesellschaftliche Entwicklung nicht spurlos vorüber. Der 7. Oktober und der sich immer schamloser öffentlich zeigende Antisemitismus hat uns dazu bewogen, uns mit dem Blick der Comicwelt auf die Shoa zu beschäftigen. Der Verlag bahoe books aus Wien hat innerhalb seiner Ausrichtung auf historische und gesellschaftspolitische Comics einen Schwerpunkt auf Comics zu jüdischer Kultur und zum Holocaust. Wir freuen uns daher eine Auswahl der Comics dem Bremer Publikum im Raum404 präsentieren zu können.

Mit dieser Ausstellung verknüpfen wir von Kulturnetz e.V. unsere Expertise im Bereich Comics mit einer Positionierung in der aktuellen gesellschaftlichen Situation. Die Ausstellung beleuchtet Comics als künstlerisches Genre, nimmt Comics aber auch als Ort wahr, an dem und in dem gesellschaftlich relevante Diskussionen geführt werden. Wir betrachten einerseits das Genre an sich und nehmen und die genreinternen Entwicklungen und Fragen in den Blick. Auf der anderen Seite sehen wir das Genre Comic als narratives Medium. Damit ist es Teil des diskursiven Raums, in dem es um die Inhalte geht. Die präsentierten Comics beschäftigen sich mit der Geschichte des Holocaust und liefern damit einen Mosaikstein für die Geschichte des Staats Israel und seiner Entstehung. Sie erhellen aber auch den Hintergrund für jüdisches Leben in Deutschland und Europa. Zudem zeigen sie Mechanismen des Antisemitismus, die für das Verständnis der heutigen Situation nützlich sein können.

Eine Veranstaltung von Kulturnetz e.V.

10

Die Kinder von Buchenwald
Werkstattgespräch • 19:00 Uhr
Logbuch · Vegesacker Straße 1 · 28195 Bremen
 

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald im April 1945 stehen mehr als tausend jüdische Kinder vor einer ungewissen Zukunft. Sie haben auf wundersame Weise überlebt, doch die meisten sind Waisen. Eine internationale Hilfsaktion unter der Leitung des Œuvre de Secours aux Enfants nimmt sich ihrer an und versucht, ihnen Halt zu geben.

Im Juni 1945 finden 426 von ihnen für einen Sommer Zuflucht in der Normandie. Viele sind krank, traumatisiert und heimatlos. Ärzte, Pädagogen und Sozialarbeiter begleiten sie, helfen ihnen, neue Kraft zu schöpfen und Schritt für Schritt wieder Freude am Leben zu entdecken.

Auf Grundlage der Erinnerungen der Überlebenden erzählt die Historikerin Dominique Missika in dieser Graphic Novel die bewegende Geschichte der Kinder von Buchenwald.

Anais Depommier (FR), Moderation Prof. Karen Struve (Universität Bremen)

Eine Veranstaltung von Kulturnetz e.V.

15

Antisemitismus und die Shoa – Comics in der Präventions- und Erinnerungsarbeit
Vortrag • 18:00 Uhr
Raum 404 · Nicolaistraße 34/36 · 28195 Bremen
 
Dr. Andrea Köhler (KZ Gedenkstätten Neuengamme), Moderation: Landeszentrale für politische Bildung Bremen

Eine Veranstaltung von Kulturnetz e.V.

23

Jour fixe: Die Lage in Syrien und das Verhältnis zu den Nachbarn
Jour fixe • 19:00 Uhr
Landeszentrale für pol. Bildung · Birkenstraße 20/21
 

Im Dezember 2024 wurde das Regime Assads gestürzt, der Diktator floh nach Russland, ein Bündnis mit islamistischen Wurzeln übernahm die Macht. Israel hat danach eine Pufferzone auf syrischem Boden errichtet, sich zur Schmutzmacht für die Drusen in Syrien erklärt. Die Türkei hat die neue Regierung unterstützt, auch bei der Schwächung der Kurden; sie will sich mit Militärpräsenz in Syrien festsetzen, was Israel als neue Bedrohung ansieht. Internationale Sanktionen gegen Syrien wurden ausgesetzt, aber Misstrauen nach Angriffen auf Minderheiten und Unklarheit über die weitere Entwicklung des Landes unter neuer Herrschaft sind geblieben.

Über diese und mehr Fragen wird Aram Aqil einführend sprechen. Er lebt seit 2016 in Deutschland. Er ist Unternehmer und engagiert sich für die Rechte der Migrantengemeisnchaften, im Besonderen der Kurden.

Aram Aqil

Eine Kooperation von DIG und JuFo Bremen

26

Ernst Fraenkel, Der Doppelstaat
Wochenendseminar • 02:00 Uhr
Infoladen Bremen · St. Pauli-Str 10-12 · 28203 Bremen
 

Der Doppelstaat von Ernst Fraenkel ist ein besonderes Werk, da es die einzige umfangreiche zeitgenössische Studie über die nationalsozialistische Herrschaft darstellt, die nicht aus der Distanz des Exils verfasst wurde. 1933 untersagten das nationalsozialistische Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und andere Gesetze Menschen jüdischer Herkunft und Mitgliedern linker Organisationen die Ausübung ihrer Berufe. Aufgrund einer Sonderregelung, die seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg betraf, konnte Fraenkel dennoch als Jude und Sozialdemokrat als einer von Wenigen weiter als Anwalt arbeiten. Er nutzte seine Prozessbeobachtungen und die Lektüre nationalsozialistischer Rechtsschriften, um eine detaillierte Analyse von Staat und Recht im Nationalsozialismus zu erarbeiten. Nach seiner Emigration veröffentlichte er in den USA 1941 The Dual State. Das Buch wurde nach seinem Erscheinen im englischsprachigen Raum durchweg positiv besprochen, in Deutschland wurde Fraenkels Der Doppelstaat hingegen lange kaum registriert. Erst 1974 erfolgte die Veröffentlichung in deutscher Sprache.

Die nationalsozialistische Herrschaft unterteilte sich nach Fraenkel in zwei zentrale Bereiche: Normenstaat und Maßnahmenstaat. Im Normenstaat galt die Herrschaft des Rechts, wodurch das Funktionieren der kapitalistischen Ökonomie und das Recht auf Eigentum garantiert wurde. Im Maßnahmenstaat hingegen setzen die herrschenden nationalsozialistischen Eliten ihre Interessen mit Gewalt und Willkür durch. Die Parole „Recht ist, was dem deutschen Volke nützt" drückte Fraenkel zufolge die nationalsozialistische Ablehnung abstrakter und allgemeiner gültiger Rechtsprinzipien zugunsten eines exklusiven Rechtsverständnisses aus, das nur für die deutsche Volksgemeinschaft Gültigkeit besaß. Durch den Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus der normenstaatlichen Sphäre des Rechts versuchte das nationalsozialistische Regime die deutsche Gesellschaft gewaltsam zu homogenisieren und damit ihr Ideal der Volksgemeinschaft zu realisieren.

Mit dem Seminar soll ein Überblick über die zentralen Thesen von Fraenkels Studie gegeben und diese mit zeitgenössischen linken Faschismusinterpretationen verglichen werden. Zudem soll diskutiert werden, inwiefern seine Analysen auch einen Beitrag für ein besseres Verständnis aktueller autoritärer Tendenzen liefern können. Es werden gemeinsam Textausschnitte gelesen und diskutiert.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und ist Mitglied der Gruppe associazione delle talpe. Veröffentlichungen: Das Klima des Kapitals. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ökonomiekritik, Berlin 2022 (Herausgabe mit Valeria Bruschi), Materialistische Staatskritik. Eine Einführung, Stuttgart 2017 sowie zusammen mit associazione delle talpe Herausgabe der Textsammlungen Staatsfragen. Einführungen in die materialistische Staatskritik, Berlin 2009 sowie Maulwurfsarbeit I-VII, Berlin/Bremen 2010-2024.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative

30

Chancen und Grenzen des Comics als politisches Medium
Panel-Gespräch • 19:00 Uhr
Raum 404 · Nicolaistraße 34/36 · 28195 Bremen
 
Dr Veronique Sina (F.a.M.) und Jan-Paul Koopmann (HB)

Eine Veranstaltung von Kulturnetz e.V.

Oktober

5

Vom Antisemitismus, der keiner sein will
Buchvorstellung • 19:00 Uhr
Galerie k' · Alexanderstrasse 9b · 28203 Bremen
 

Richard Schuberths im März erschienener Essayband – nominiert für den „Tractatus-Essaypreis" des Philosophicums Lech und nunmehr in der vierten Auflage – sprach sich vor allem in den Sozialen Medien schnell als besonders scharfsinniges und zeitgemäßes Buch zu den jüngsten Auswüchsen des Antisemitismus herum. Der Wiener Autor beleuchtet bekannte und unbekannte Facetten eines kollektiven Wahns, der sich selbst nicht erkennen kann, weil er unter dem Banner der Global Justice agiert. Mit seiner ihm eigenen Fusion aus Essay, Satire und wissenschaftlicher Analyse ergründet der Autor auch die Mindsets der neuen Antisemiten und die verschiedenen Schichten der Projektion, die wie ein Peilsender stets sich ihr Israel finden.Schuberth sieht sein Buch als eine Bringschuld, und als Herausforderung, die neuesten Metamorphosen des Antisemitismus anhand seiner Kontinuitäten und Brüche zu verstehen.

Richard Schuberth, 1968 in Ybbs an der Donau (Niederösterreich) geboren, schreibt in zahlreichen literarischen Gattungen, darunter Roman, Essay, Kurzgeschichte, Aphorismus, Lyrik und Drama. Zudem verfasst er wissenschaftliche Texte, Songs und gesellschaftskritische Satiren. Sein Werk ist geprägt von sprachlicher Präzision, geistigem Witz und scharfer Analyse.

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft Bremen/Unterweser und des Bündnis gegen Antisemitismus Bremen in Kooperation mit der Gesellschaft für kritische Bildung e.V.

Richard Schuberth

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft Bremen/Unterweser und des Bündnis gegen Antisemitismus Bremen in Kooperation mit der Gesellschaft für kritische Bildung e.V.

7

Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Massakers vom 7. Oktober 2023 und an die Geiseln
Mahnwache • 17:00 Uhr
Innenstadt Bremen
 

(Der genaue Ort wird noch bekannt gegeben.)

Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Massakers vom 7. Oktober 2023 und an die Geiseln, die fast 738 Tage lang entführt waren.

Organisiert von der DIG Bremen

7

Bericht über sexuelle Gewalt am 7. Oktober 2023
Vortrag • 20:00 Uhr
Villa Ichon · Goetheplatz
 

Der Terrorangriff der Hamas und anderer Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 umfasste brutale sexuelle Übergriffe, die gezielt und systematisch gegen israelische Zivilisten und insbesondere gegen Frauen verübt wurden.

Zeugenaussagen sowie veröffentlichte und geheime Informationen zeichnen ein klares Bild wiederkehrender Handlungsmuster, die sich in allen Angriffszonen wiederholten – auf dem Nova-Festival, in Privathäusern der Kibbuzim nahe des Gazastreifens sowie auf IDF- Stützpunkten. Sexuelle Gewalt war integrales Ziel des Terrorangriffs. Auch einige der 254 Geiseln, die in den Gazastreifen verschleppt wurden, erlitten sexuelle Gewalt.

Die israelische Vereinigung von Krisenzentren für Vergewaltigungsopfer (The Association of Rape Crisis Centers in Israel ARCCI) veröffentlichte schon im Februar 2024 die Ergebnisse einer ersten Untersuchung aller verfügbaren öffentlichen und nicht-öffentlichen Informationen, Zeugenaussagen und Interviews. Ferdinand Heckel übersetzte den Bericht ins Deutsche, als er IT-beruflich in Israel war; die deutsche Fassung wurde im August 2025 veröffentlicht Ferdinand Heckel wird von seiner Arbeit und den Ergebnissen berichten. Er wird auch auf weitere Berichte in der Folge eingehen, auch auf den letzten vom Mai diesen Jahres eingehen, der von der „Zivilkommission zu den Verbrechen der Hamas gegen Frauen und Kinder am 7. Oktober" veröffentlicht wurde ( https://www.civilc.org/silenced-no-more )

Der von F. Heckel übersetzte Bericht ist unter dem Titel "Stummer Schrei" auf Deutsch hier zu finden:
Inhaltswarnung: Der Bericht enthält detaillierte Beschreibungen von sexueller Gewalt, Folter und Mord

Ferdinand Heckel

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen/Unterweser e.V.

12

Ausnahmezustand. Hochschulen im deutschsprachigen Raum seit dem 7. Oktober – Zeugnisse von Betroffenen
Buchvorstellung • 18:00 Uhr
Uni Bremen · Raum GW2 B2900
 
Julia Bernstein

Eine Veranstaltung von Bündnis gegen Antisemitismus Bremen, Antonio Amadeu Stiftung und Gesellschaft für kritische Bildung

14

Diskussion mit Hamza Abu Howidy
Diskussion • 19:00 Uhr
Ort wird zeitnah bekannt gegeben
 

Ort und Ankündigungstext folgen noch.

15

Israel vor der Wahl
Vortrag und Diskussion • 19:00 Uhr
über Zoom
 

Am 27. Oktober wählen die Israelis ihr Parlament, die Knesset. Nach Wochen hektischer Listenaufstellungen, Neugründungen, Zusammenschlüssen sind die Listen eingereicht, die langen Wahlzettel gedruckt. Wahlabend und Wahlnacht werden vermutlich wieder sehr spannend werden. Andrea Livnat wird uns eine Übersicht über die politischen Blöcke und ihre Bestandteile geben und über die Hauptthemen und Hauptkonflktlinien des Wahlkampfs berichten.

Dr. Andrea Livnat, 1974 in München geboren, lebt seit über 20 Jahren in Tel Aviv. Sie ist Historikerin, Journalistin und Herausgeberin des jüdischen Internetportals haGalil (www.hagalil.com).

Zoom Einladungslink

Andrea Livnat, Tel Aviv

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen/Unterweser e.V.

22

Antisemitismus. Ideologie, Erscheinungsformen und Funktion
Vortrag und Diskussion • 19:00 Uhr
Kulturzentrum Kukoon · Buntentorsteinweg 29 · 28201 Bremen
 

Judenfeindliche Graffiti an Hauswänden, Schändungen jüdischer Friedhöfe, Angriffe auf Synagogen, Beleidigungen, körperliche Gewalt bis hin zum bewaffneten Terroranschlag wie am 9. Oktober 2019 in Halle: Antisemitismus ist Teil des deutschen Alltags. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ist der Judenhass nicht weniger geworden. Ganz im Gegenteil, antisemitische Vorfälle haben in Deutschland enorm zugenommen. Die Erscheinungsformen des Antisemitismus sind vielfältig. Er manifestiert sich als offener Hass auf Jüdinnen und Juden, aber auch in subtileren Formen wie in Karikaturen mit antijüdischen Klischees, als Element von Verschwörungstheorien oder als „Israelkritik". Ob eine Äußerung oder eine Darstellung antisemitisch ist, ist häufig umstritten, insbesondere dann, wenn sie von Menschen stammen, die nicht der rechten oder neonazistischen Szene angehören. Antisemitische Einstellungen sind aber nicht nur ein Phänomen in der politischen Rechten, sondern finden sich in einem breiten politischen Spektrum und in allen gesellschaftlichen Schichten. Antisemitismus ist mehr als ein Vorurteil. Er dient als Welterklärungsmodell, das die Jüdinnen und Juden für gesellschaftliche Probleme und politische Konflikte verantwortlich macht. In dem Einführungsvortrag werden aktuelle und historische Erscheinungsformen des Antisemitismus thematisiert und diskutiert, welche gesellschaftliche Funktion der Antisemitismus in der Moderne einnimmt.

Nina Rabuza forscht zu Kritischer Theorie, dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Nationalsozialismus und zu Antisemitismus. 2023 ist ihr Buch Verräumlichte Erinnerung. Die Grenzen der Darstellung nationalsozialistischer Gewalt am Modell der KZ-Gedenkstätte Dachau erschienen.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der dem Jungen Forum der Deutsch-israelischen Gesellschaft Bremen und der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus Bremen.

27

Antisemitismus definieren. Anleitung zur Abgrenzung
Buchvorstellung • 18:00 Uhr
Universität Bremen · GW2 B2890
 

Während die Diskussionen um Antisemitismusdefinitionen immer unzugänglicher werden, hat die Ideologie in ihrer öffentlichen Wahrnehmung nichts von ihrem Rätselcharakter verloren. Die Bestimmung und damit die Bekämpfung von Antisemitismus wird durch zahlreiche alltagspraktische wie akademische Mythen erschwert: Antisemitismus wird unter Rassismus subsumiert, zum Vorurteil gemacht, extremismustheoretisch gelesen oder zum Wahn erklärt. Obwohl diese Deutungsversuche etwas treffen, reduzieren sie Antisemitismus doch immer nur auf einen Teilaspekt.

In »Antisemitismus definieren« machen der Sozialphilosoph Nikolas Lelle und der Sozialpsychologe Tom Uhlig diese Mythen produktiv. Sie fragen nach ihrer subjektiven und gesellschaftlichen Attraktivität und arbeiten ihren wahren Kern heraus, um einen Antisemitismusbegriff zu gewinnen, der dem Gegenstand gerecht wird.

Nikolas Lelle arbeitet seit 2020 bei der Amadeu Antonio Stiftung und beschäftigt sich vornehmlich mit Antisemitismuskritik, Erinnerungskultur und Gesellschaftstheorie. Er hat in Frankfurt am Main und Mainz Philosophie und Soziologie studiert und an der Humboldt Universität zu Berlin promoviert. Zuletzt erschien von Lelle „Arbeit macht frei. Annäherungen an eine NS-Devise”. 2026 erscheint auch der mit Lisa Geffken gemeinsam herausgegebene Band „Warum man Israel nicht hassen muss, um zu den Guten zu gehören“.

Weitere Informationen auf Fomo Bremen

Nikolas Lelle

Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Antisemitismus Bremen in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen und der Gesellschaft für kritische Bildung e.V.

November

9

Zur anachronistischen Wiederkehr des Antiimperialismus? Manichäismus, Autoritarismus und Antisemitismus in roten Gruppen
Vortrag • 18:00 Uhr
Universität Bremen · GW2 B2900
 

Gegenwärtig wird viel über die Wiederkehr linksautoritärer Gruppen spekuliert, deren Vokabular und Auftreten dem antiautoritären antifaschistischen Konsens des 21. Jahrhunderts diametral gegenübersteht. Angesichts der Jahrzehnte, die die aus jenen Reihen dröhnenden Slogans schon auf dem Buckel haben, mag einerseits die Hartnäckigkeit aber auch die scheinbare Attraktivität der antiimperialistischen Logik für eine junge Generation auf den ersten Blick vielleicht verwundern.

Allerdings gehört der Anachronismus zur Rhetorik des Antiimperialismus immer schon dazu: Bereits in der begriffsgeschichtlichen Hochphase der frühen 1970er Jahre hatte die bewegungslogische Selbstbezeichnung wenig mit der marxistischen Kritik am historischen Imperialismus zu tun, sondern war vielmehr bereits ein um seinen Analyseanspruch gebrachter Interpretationsbegriff für die zeitgenössische geopolitische Lage. Ironischerweise erscheint die heutige Verwendung noch einmal geschichtsvergessener, wenn gegenwärtige Kritik am Neo-Imperialismus durch bspw. China oder Russland in diesen Reihen völlig ausbleibt und stattdessen ein Manichäismus zwischen guten und schlechten Völkern wieder aufleben darf. Nicht fehlen darf außerdem eine Romantisierung der Arbeiterklasse und die Verkürzung von Staats- und Kapitalkritik auf personifizierte Welterklärungsansätze.

Dass sich damit antisemitische Tropen und Erlösungsvorstellungen tradieren, die bereits die Hinwendung der antiimperialistischen Linken zur Glorifizierung von Ethnizität begleitet hatten, bedarf keiner großen theoretischen Reflexionsleistung. Allerdings bleibt dabei häufig unterbeleuchtet, dass der Antisemitismus im gegenwärtigen Antiimperialismus eben nicht nur mitgeschleppter Anachronismus ist, sondern auch – durch die Übernahme postmoderner Theorieversatzstücke und gegenwärtiger „Sloganisierung“ – Verarbeitung der aktuellen spätmodernen Verhältnisse, wenn auch in verkürzter Form.

Es ließe sich wohl diskutieren, ob wir es aktuell mit einer tatsächlichen Wiederkehr solcher Neo-Guerillas zu tun haben oder die mitgeschleppten Ideologeme und Organisationsformen die Linke eigentlich nie ganz verlassen haben. Wäre die gegenwärtige Konjunktur damit nun Ausdruck linker Orientierungslosigkeit, Krisensymptom, tatsächliche – aber verkürzte – Verarbeitung gegenwärtiger geopolitischer Verschiebungen oder vielmehr Erfolgskonzept eines sich auf Kommodifizierbarkeit verstehenden Polit-Aktivismus ist, der sich nur noch in der Rhetorik als (links-)radikal und im Antisemitismus als real erweist?

Der Vortrag versucht die aktuellen Artikulationen des Linksautoritarismus – in seiner martialisch-männlichen sowie seiner kollektiv-kulturalistischen Ausdrucksform – historisch und gesellschaftlich nachzuvollziehen. Dabei soll die Erklärung für seine Beharrsamkeit genauso im Vordergrund stehen, wie die Frage, was dieser für eine gegenwärtige antifaschistische Theorie und Praxis bedeutet.

Luise Henckel hat Politikwissenschaft, Kulturwissenschaften und Politische Theorie studiert, arbeitet gegenwärtig am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main und promoviert an der Universität Halle zur jüdischen Emanzipation im 19. Jahrhundert. Sie publiziert und hält Vorträge zur frühen kritischen Theorie, materialistischen Staatstheorie und zum (linken) Antisemitismus.

Weitere Informationen auf Fomo Bremen

Luise Henckel

Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Antisemitismus Bremen in Kooperation mit der Gesellschaft für kritische Bildung e.V. und der Antonio Amadeu Stiftung.

15

Stadtrundgang zur Geschichte des 09.11.1938 in Bremen
Stadtrundgang • 12:00 Uhr
Startpunkt: Ecke Obernstraße/Sögestraße in der Bremer Innenstadt
 

Bei diesem Stadtrundgang geht es um den 9.11.1938 in Bremen, sowie um seine Vor- und Nachgeschichte. Gezeigt wird die Geschichte von Jüdinnen und Juden in Bremen und die Spuren, die sie in dieser Stadt hinterlassen hat. Wir werden Orte ihrer Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus aufsuchen, die mit dem 9.11. nur ihren vorläufigen Höhepunkt nahm. Ein Thema werden auch die Täter sein, ihre Planungen, ihr Vorgehen und ihre weitgehende Straffreiheit nach Ende des Nationalsozialismus.

Wanda Wybornia

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe, Heinrich-Böll-Stiftung Bremen, Rosa-Luxemburg- Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen, Partnerschaft für Demokratie Bremen im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus Bremen.

18

Antisemitismus in Bremen – Wer schaut hin?
Podiumsdiskussion • 19:00 Uhr
Europapunkt
 

Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Realität jüdischen Lebens in Deutschland verändert. Auch in Bremen sind antisemitische Vorfälle und Anfeindungen ein anhaltendes Problem: Die Zahl antisemitischer Straftaten stieg laut Senat von 71 (2023) auf 107 (2024), antisemitische Graffiti gehören mittlerweile zum Stadtbild. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen – die RIAS-Problembeschreibung "Antisemitismus in Bremen" macht ein erhebliches Dunkelfeld zum eigenen Thema und zeigt, dass Betroffene Vorfälle aus Misstrauen gegenüber Polizei und Justiz oft gar nicht erst melden. Der Bericht zeigt zudem, wie sehr Jüdinnen und Juden im Alltag – in Schulen, im Wohnumfeld, auf dem Weg zur Synagoge – mit Bedrohung und Ausgrenzung konfrontiert sind.

Obwohl zwölf Bundesländer bereits über eigene RIAS-Meldestellen verfügen, hat Bremen erst im März 2026 den Beschluss zur Einrichtung einer solchen Stelle gefasst – sie befindet sich derzeit noch in Vorbereitung. Warum hat es so lange gedauert? Und was muss jetzt passieren, damit aus dem Beschluss wirksame Praxis wird?

Darüber diskutieren Vertreterinnen und Vertreter von sämtlicher Parteien. Im Mittelpunkt stehen der RIAS-Bericht über Bremen, die Entwicklung seit dem 7. Oktober und die Frage, welche Verantwortung Politik und Gesellschaft tragen.

Wir wollen nicht nur über die Meldestelle sprechen – sondern auch darüber, was konkret gegen Antisemitismus getan werden muss.

Eine Veranstaltung des Jungen Forums der DIG Bremen. Mit Unterschätzung der DIG Bremen.

19

Der Drang zum Antisemitismus – Über die gesellschaftlichen Ursachen der (anti-) autoritären Revolte
Vortrag & Diskussion • 18:30 Uhr
TBA
 

Vortrag & Diskussion mit Enrico Pfau

Ist heute vom Autoritarismus und die ihn bildende autoritäre Persönlichkeit die Rede, wird darunter meist eine autoritäre Agenda, ein geplanter Umbau der Gesellschaft und ein entsprechendes Erziehungsprogramm verstanden. Obwohl es all diese Seiten des Autoritarismus auch gibt, mangelt es dieser Vorstellung an einer Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Ursachen dieser Tendenz, nämlich jenen Ursachen, die über bloße Herrschaftsabsichten und Verelendung als letzte Gründe hinausgehen. Zu schnell wird der Vorwurf, autoritär zu sein, mit dem Verweis abgewehrt, man sei ja das Gegenteil, anti-autoritär. Doch zum einen schützt das nicht vor eben diesen gesellschaftlichen Ursachen, die jeden betreffen, und zum anderen enthält der Autoritarismus in seinen vergangenen und auch heutigen Erscheinungsformen auch immer ein antiautoritäres, rebellisches Moment.

Der Vortrag will der Frage nachgehen, was eine gesellschaftliche Struktur ist und wie diese ihre Mitglieder bis in deren Selbstverständnis hinein prägt, sodass selbst der Widerstand gegen die bestehende Gesellschaft wahnhafte Züge annimmt. Das System solchen Wahns ist damals wie heute der Antisemitismus, der erneut Sammel- und Konstitutionspunkt merkwürdiger politischer Allianzen und obskurer Selbstwirksamkeitsfantasien wird. Anders formuliert, stellt sich der Vortrag die Frage, warum es Antisemitismus gibt und warum er trotz oder gerade seit dem Holocaust und dem 07. Oktober zum scheinbar unverzichtbaren Bestandteil der großen politischen Bewegungen geworden ist.

Enrico Pfau hat in Dresden Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft studiert und in Oldenburg zum Begriff der verwalten Welt in der kritischen Theorie promoviert. Er publizierte unter anderem zur Kritik der Allgemeinbildung, den gesellschaftlichen und psychischen Bedingungen des Antisemitismus sowie der Misogynie.

Enrico Pfau

SJD - Die Falken Bremen & SJD - Die Falken Weser-Ems

26

Die Ursprünge des arabisch-israelischen Konflikts (1870–1950)
Buchvorstellung und Diskussion • 19:00 Uhr
Kulturzentrum Kukoon · Buntentorsteinweg 29 · 28201 Bremen
 

Auf seiner Suche nach dem gesellschaftlichen Ursprung des damals noch arabisch-israelischen Konflikts geht Georges Bensoussan bis in die Zeit vor der ersten Alija zurück. Seine historische Untersuchung erschien 2023 in Frankreich. Erbetrachtet einen historischen Abschnitt, der sich vom Jahr 1870 bis zum Ende des Unabhängigkeitskriegs und den ersten Waffenstillstandsabkommen Israels mit seinen arabischen Nachbarstaaten 1949 erstreckt. Er zeigt dabei, dass der alte Jischuv bereits vor der Einwanderung osteuropäischer Zionist*innen den Kern einer von Europa inspirierten Nationalbewegung bildet. Während sich für die dortigen Jüdinnen und Juden schon früh der Weg hin zu einer modernen Gesellschaft mit entsprechenden Institutionen und Organisationen abzeichne, seidie überwiegende Mehrheit der arabischen Bevölkerung durch die clanbasierte und durch Tradition und Religion gebundene Herrschaft in ihrer gesellschaftlichen Entwicklung gehemmt. Schon bald stünden sich nach Bensoussan zwei kulturell und gesellschaftlich deutlich differierende Gesellschaften bis zur offenen Feindschaft gegenüber. Bensoussan argumentiert, dass sich die Dynamik des arabisch-israelischen Konflikts nur mit einer Vorstellung von gesellschaftlichem Fortschritt verstehen lässt – viel besser als die üblichen Erklärungsmodelle wie Nationalismus, Imperialismus, Kolonialismus. Der Übersetzer Alex Carstiuc stellt die Thesen des Buches vor und gibt einen Überblick über die Rezeption.

Georges Bensoussan, geboren 1952 in Ahfir, stammt aus einer alteingesessenen jüdischen Familie in Marokko, die nach Frankreich auswandern musste. Er ist Chefredakteur der Zeitschrift Revue d'histoire de la Shoah und verantwortlich für die Publikationen des Mémorial de la Shoah hin Paris. Als Historiker hat er sich mit zahlreichen Werken zur Geschichte der Shoah, des Zionismus und der Jüdinnen und Juden in der arabischen Welt international einen Namen gemacht. Auf Deutsch liegt bisher lediglich der Band Die Juden der arabischen Welt. Die verbotene Frage (2019) vor.

Alex Carstiuc ist Historiker, Herausgeber und Mitübersetzer der Memoiren Léon Poliakovs. Er übersetzte Annette Wieviorkas Werk _1945. Als die Amerikaner die Lager entdeckten (Edition Tiamat Herbst 2021)._ Mit Jonas Empen Übersetzung von Georges Bensoussan: Die Ursprünge des arabisch-israelischen Konflikts (1870 – 1950).

Alex Carstiuc

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit dem Jungen Forum der Deutsch-israelischen Gesellschaft Bremen, der Rosa-Luxemburg- Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus Bremen.

30

Vier Tage. Roman
Buchvorstellung • 18:00 Uhr
Wallsaal der Stadtbibliothek Bremen
 

Eine nahöstliche Tetralogie. Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul

Der 30. November ist seit einigen Jahren Israels nationaler Tag des Gedenkens an den Exodus der Juden aus den arabischen Ländern nach 1945. Diese Flucht und Vertreibung von 750.000 jüdischen Menschen ist bei uns wenig bekannt und beachtet, weil der junge Staat Israel die riesige Aufgabe der Aufnahme und Integration entschlossen angepackt hat. Die Erinnerung an die Geschichte ist aber in Israel präsent, auch durch die Literatur. Daran wollen wir mit unserer Vorstellung des Romans von Mona Yahia anknüpfen.

"Vier Tage" erzählt – anhand jeweils eines Tages – aus dem Leben von vier Generationen einer orientalisch-jüdischen Familie im 20. Jahrhundert. Sie alle, Hayim und Ehefrau Nazli, die Töchter Rebekka und Serafine, Rebekkas Sohn Nemir und dessen Tochter Leila, erleben radikale, einschneidende Ereignisse, im Nahen Osten und in ihrem Leben. Sie sind verwoben mit Erfahrungen von Entwurzelung, den Traumata des Exils, von Anpassung und Neuorientierung. In jeder Generation geht es um die Suche nach Zugehörigkeit und den Versuch, Heimat neu zu denken.

Mona Yahia ist 1954 in Bagdad geboren; sie floh 1970 mit ihrer Familie in den Iran und wanderte ein Jahr später nach Israel ein. Nach ihrem Militärdienst studierte sie Psychologie und Literatur, ab 1985 Freie Kunst an der Gesamthochschule Kassel. Mona Yahia lebt heute in Köln. Ihr autobiographisch geprägter Debütroman „Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom" erschien 2002 auf Deutsch. Der Roman "Vier Tage" wurde 2025 im Salon Literatur Verlag in München veröffentlicht.

Mona Yahia, Köln · Einführung Hermann Kuhn, Moderation Robert Levin

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen/Unterweser e.V.

Dezember

3

Nicholas Potter über die neue autoritäre Linke
Vortrag • 19:00 Uhr
Europapunkt
 

Dass die politische Linke, die sich als progressiv und emanzipiert versteht, ein Antisemitismusproblem hat, ist nicht neu.

Unzählige Sachbücher, Vorträge und Diskussionsreihen der vergangenen zwanzig Jahre, in denen die autoritäre, teils terroristische und oft antisemitische Vergangenheit linker Gruppen und Bewegungen selbstkritisch aufgearbeitet wurde, legen Zeugnis darüber ab.

Doch die Intensität, mit der seit dem 07. Oktober 2023 viele Linke weltweit die Gräueltaten der Hamas und anderer nicht nur rechtfertigen, sondern auch offen begrüßen und in längst vergangene Muster verfallen, ist neu und hat längst den Mainstream erreicht.

Der deutsch-britische Journalist und Autor Nicholas Potter hat sich diese Entwicklungen genauer angesehen, intensiv recherchiert und Chats ausgewertet.

In seinem Vortrag stellt er die zentralen Thesen seines Buches „Die neue autoritäre Linke" (dtv) vor: Wie Teile der Linken – bis hinein in die Partei Die Linke – seit dem 7. Oktober israelbezogenen Antisemitismus verharmlosen, islamistische Gewalt und autoritäre Regime als „antikolonialen Widerstand" umdeuten und antisemitismuskritische Linke gezielt anfeinden und ausgrenzen.

Potter zeigt, wie diese Entwicklung demokratische Debattenräume untergräbt, und warnt eindringlich davor, sie zu unterschätzen.

Wie real diese Bedrohung ist, hat er selbst erfahren: Über Monate wurde Potter zur Zielscheibe einer Diffamierungskampagne, die in Berlin in Plakaten mit offenen Gewalt- und Morddrohungen gegen ihn gipfelte. Reporter ohne Grenzen verurteilte die Aufrufe scharf und forderte die Behörden zum Handeln auf.

Im Anschluss Gespräch und Publikumsfragen.

Nicholas Potter ist Chefreporter bei WELT und zuvor Redakteur der taz, hat für Haaretz, Jerusalem Post sowie The Guardian geschrieben. Seine Schwerpunktthemen sind Rechtsextremismus und Antisemitismus. Im Jahr 2024 war er für den Theodor-Wolff-Preis nominiert. Er ist Mitherausgeber des Sammelbandes „Judenhass Underground: Antisemitismus in emanzipatorischen Subkulturen und Bewegungen".

Nicholas Potter

Eine Veranstaltung des Jungen Forums der DIG Bremen. Mit Unterstützung der Partnerschaft für Demokratie Leben, der Amadeu Antonio Stiftung und der DIG Bremen.

5

Moishe Postone, Antisemitismus und Nationalsozialismus
Wochenendseminar
Infoladen · St. Pauli-Str 10-12 · 28203 Bremen
 

Moishe Postones Aufsatz Antisemitismus und Nationalsozialismus umfasst zwar lediglich 30 Seiten, lieferte aber wichtigere Impulse für linke Debatten als unzählige Bücher und Studien. Postones Text bietet eine neue Interpretation von Antisemitismus, Antikapitalismus und Nationalsozialismus. Er kritisiert eine verbreitete linke Interpretation der nationalsozialistischen Herrschaft als simplen Ausdruck von Klassenherrschaft und Antikommunismus und betont die zentrale Rolle des Antisemitismus und der Vernichtung des europäischen Judentums für ein Verständnis des Nationalsozialismus. Antisemitismus interpretiert er im Kontrast zu verbreiteten linken Auffassungen nicht als Variante des Rassismus, sondern als Ausdruck eines reaktionären Antikapitalismus. Postones Thesen liefern wichtige Anregungen für eine kritische Analyse von Nationalsozialismus und Antisemitismus, aber auch von antiemanzipatorischen Formen des Antikapitalismus und eines Antisemitismus von links – sowohl historisch wie aktuell. Im Seminar wird der Aufsatz gemeinsam gelesen und diskutiert. Zur besseren Einordnung des Textes wird es ergänzende Exkurse zu folgenden Themen geben: Linke Faschismustheorien und Analysen des Nationalsozialismus; Antisemitismus und Antizionismus; Geschichte der Neuen Linken; Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und ist Mitglied der Gruppe associazione delle talpe. Veröffentlichungen: Das Klima des Kapitals. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ökonomiekritik, Berlin 2022 (Herausgabe mit Valeria Bruschi), Materialistische Staatskritik. Eine Einführung, Stuttgart 2017 sowie zusammen mit associazione delle talpe Herausgabe der Textsammlungen Staatsfragen. Einführungen in die materialistische Staatskritik, Berlin 2009 sowie Maulwurfsarbeit I-VII, Berlin/Bremen 2010- 2024.

Moritz Zeiler

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg- Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen, Partnerschaft für Demokratie Bremen im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus Bremen.

2020 - 2021 - 2022 - 2023 - 2024 - 2025 - 2026